DOMINIKANERKLOSTER   SANKT PAULUS

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Aktuelles aus dem Dominikanerkloster Sankt Paulus  


AKTUELLES

BILDER

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dominikanische Glaubensschule 2011/2012
Trauer um P. Ambrosius Eßer OP
Filmimpressionen aus Kloster und Kirche Sankt Paulus 2009
Dominikanische Abendrekreation in Sankt Paulus 2009
Wallfahrtspredigten im Paulusjahr 2009
P.Jan Kulik O.P. ist neuer Pfarrer von St. Paulus
Fronleichnamprozession 2008
P. Burkard Runne O.P. wird 80
P. Marianus Henneken O.P. wird 80
Dominikanische Glaubensschule 2011/2012

Die Dominikanische Glaubensschule will erwachsenen Taufbewerbern die Möglichkeit geben, den Glauben für sich zu entdecken und bewusst zu leben. Aber auch Erwachsene, die sich auf die Firmung vorbereiten wollen oder andere, die ihren Glauben wieder neu entdecken oder vertiefen wollen, sind herzlich zu diesem Kurs eingeladen!
Termine:  
sonntags 10.00 – 11.15 Uhr,
Referent: Prof. P. Dr. Thomas Grießbach OP
18.09. Einführung
16.10. Kursbeginn, Biblische Grundlagen des Glaubens
23.10. Kirchengeschichte I, Frühe Kirche und Konstantinische Wende
30.10. Kirchengeschichte II, Kirche im Mittelalter / Reformation I
13.11. Kirchengeschichte III, Reformation II / Kirche in der Neuzeit
20.11. Liturgie des Kirchenjahres
27.11. Die Feier der Hl. Messe
05.02. Aspekte der Dogmatik
12.02. Grundlagen der Moraltheologie und Sozialethik
19.02. Ausdrucksformen der Frömmigkeit
donnerstags 20.00 – 21.30 Uhr, Referenten Mitbrüder des Dominikanerklosters St. Paulus, Berlin
01.12. Einführung in die Hl. Schrift / Das Alte Testaments
08.12. Einführung in die Hl. Schrift / Das Neue Testament
15.12. Die Initiationssakramente
12.01. Theologie der Eucharistie
19.01. Einführung in die Spiritualität
26.01. Heiligenverehrung
   
Exerzitien zur Vorbereitung auf die Taufe und Erwachsenenfirmung
02. - 04.04.2012 Benediktinerkloster Huysburg (bei Halberstadt), Leitung Prof. P. Dr. Thomas Grießbach OP.
bis 15.09.2011 Anmeldung im Dominikanerkloster

 
Trauer um P. Ambrosius Eßer OP

Am 12. April 2010 verstarb P. Abrosius Eßer OP. Wir trauern um einen geschätzten Mitbruder unserer Kommunität, der nach Jahrzehnte langer Arbeit als Generalrelator an der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse der Römischen Kurie (Congregatio de Causis Sanctorum) erst im letzten Sommer nach Berlin kam, um hier seinen Ruhestand zu verbringen.

P. Ambrosius wurde 1932 als Klaus Eßer in Düsseldorf geboren. In den Dominikanerorden trat er 1953 ein und wurde 1959 zum Priester geweiht. Er war seit 1964 Mitglied des Historischen Institutes der Dominikaner in Rom und wurde dort zum Dr. scient. eccl. orient. promoviert. Seit den 1970er Jahren war er in Rom als Professor für östliche Kirchengeschichte an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin (Angelicum) tätig. Er engagierte sich für die Görres-Gesellschaft an der römischen Niederlassung im Campo Santo Teutonico. P. Ambrosius war seit 1983 für die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse der römischen Kurie tätig und seit 1990 deren Generalrelator (Relator generalis Congregationis de Causis Sanctorum). Aufgabe des Generalrelators ist es, die Selig- und Heiligssprechungsprozesse vorzubereiten und dazu die erforderlichen Prozessakten zu evaluieren.

In den letzten Jahrzehnten hat P. Ambrosius wichtige Seligsprechungsverfahren betreut, darunter die von Clemens August Graf von Galen, Sr. Maria Restituta, Ladislaus Batthyány-Strattmann, Kaiser Karl I. und Franz Jägerstätter.

Er wurde mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichent.

Requiem und Beerdigung finden am 22. April 2010 statt.

R.I.P.

 
Filmimpressionen aus Kloster und Kirche
 
 
 
Dominikanische Abendrekreation
5. Februar 2009, 20.30 Uhr

Bevor des Tages Licht vergeht

Die Dominikaner haben mit Kloster und Kirche in der Mitte Berlins ihren Ort der Einkehr, an dem sie nach den Anforderungen des Tages den Einklang mit sich, den Menschen und Gott suchen. Die klösterliche Rekreation ist eine der tragenden Säulen dominikanischen Lebens. Betrachtung und meditatives Ausloten haben hier ihren Raum. Bei Thomas von Aquin heißt es: „Contemplari et contemplata aliis tradere“ – Meditieren und das Geschenkte an andere weitergeben.

Mit der„Dominikanischen Abendrekreation“ öffnen wir die Kirche an jedem ersten Donnerstag im Monat .

Am Ende eines Tages laden wir Sie ein, zu Ruhe und innerer Sammlung zu kommen - bei Orgelmusik, Gesängen aus dominikanischer Tradition und geistlichen Texten.


Abschluss einer jeden Abendrekreation ist die Komplet, das klösterliche Nachtgebet.

Dominikanische Abendrekreation Termine 2009

8. Januar, 5. Februar, 5. März, 2. April, 7. Mai, 4. Juni, 2. Juli, 6. August, 3. September, 1. Oktober, 5. November,3. Dezember

Beginn 20.30 Uhr

Wallfahrtspredigten im Paulusjahr 2008/2009
Am Sonntag, den 7. September beginnen die dominikanischen Wallfahrtspredigten. Sie finden an jedem ersten Sonntag im Monat um 11 Uhr in der Dominikanerkirche St. Paulus statt. Vor und nach dem Hochamt besteht die Möglichkeit zu beichten. Außerdem bieten wir einen reich bestückten Bücherstand zum Paulusjahr. Für einen kleinen Imbiss ist ebenfalls gesorgt.Sollten sich Wallfahrtsgruppen auf den Weg machen wollen, bitten wir um vorherige Anmeldung an der Klosterpforte.

Wallfahrtspredigten finden statt am 7. September, 5. Oktober, 2. November, 7. Dezember, 4. Januar,
25. Januar (Pauli Bekehrung), 1. Februar, 1. März, 5. April, 3. Mai, 7. Juni, 28. Juni (Kirchweih),
29. Juli (Hochfest Peter und Paul)

 

Grenzen überschreiten. Pater Jan Kulik O.P. ist neuer Pfarrer in St. Paulus

 

Der Gemeinde von St. Paulus ist der polnische Akzent vertraut und nicht allein, weil St. Paulus traditionell viele polnischsprachige Kirchbesucher hat und immer schon hatte. Bereits um 1900 bis zum Ende der Weimarer Republik kam etwa ein Drittel der Gemeindemitglieder aus Polen, an diese Tradition konnte nach 1989 angeknüpft werden.

Seit vielen Jahren kommen aber auch - und vor allem jüngere Mitbrüder - in den Konvent St. Paulus, um in Berlin Deutsch zu lernen. Umgekehrt hat der derzeitige Prior P. Thomas Grießbach in den 90er Jahren Polnisch gelernt. Er lebte 2006 für ein halbes Jahr als Gast im Konvent in Krakau.

In den 90er Jahren kamen nur wenige Dominikaner von Polen nach Berlin. Da wollten die polnischen Patres weiter in die Welt hinaus als nur bis Berlin - von Osten aus gesehen der ersten großen Stadt im Westen. In jenen Jahren lernten sie lieber Englisch, Italienisch oder Spanisch. Das hat sich inzwischen geändert. Man sieht und hört es im Chorgestühl wie in den Messen. Und seit September 2008 hat die Berliner Dominikanerkirche mit P. Jan Kulik O.P. erstmals einen Pfarrer aus Polen. Das ist nicht ganz richtig, denn P. Jan kommt aus München. Dort war er fünf Jahre Kaplan in St. Gertrud in München-Harthof, einer Gemeinde, die seit 2000 von polnischen Dominikanern betreut wird, wie auch polnische Dominikaner in der Dominikanerpfarrei St. Albert in München-Freimann zu Hause sind. Die Patres haben ihre Gestellungsverträge vom Erzbistum München. Die Pfarrei St. Gertrud liegt in einem Neubaugebiet und die Gottesdienstbesucher sind von hoher Internationalität. Für die polnischen Mitbrüder war das zunächst eine ungewohnte Erfahrung.

P. Jan ist also für die Aufgaben in Berlin-Moabit in dieser Hinsicht g ewappnet. Geboren wurde er 1966 in Knuròw in Oberschlesien, acht Kilometer von Gleiwitz. entfernt. Aufgewachsen ist er in Standorf. Seine Großeltern waren Deutsche, sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen gemacht, ohne der polnischen Sprache wirklich mächtig zu sein. Anders die Eltern von P. Jan, sie wuchsen im Nachkriegspolen auf, in dem man besser beraten war, wenn man nicht Deutsch sprach. So kam es, dass die deutsche Sprache für P. Jan zu einer Fremdsprache wurde, die er während seines Studiums auf der Ordenshochschule gelernt hat.

P. Jan ist der Älteste von vier Kindern. Der Bruder lebt in Gießen, die beiden Schwestern in Polen. In Knuròw machte P. Jan das Abitur und ließ sich zum Elektriker für medizinische Geräte ausbilden. Er diente zwei Jahre als „Pflichtsoldat“ bei der Marine und arbeitete ab 1989 zwei Jahre als Polizist im Streifendienst in Gleiwitz. 1993 trat er in Posen in den Dominikanerorden ein. Dort ist das Noviziat der polnischen Ordensprovinz. Er absolvierte sein Studium an den Ordenshochschulen in Warschau (Philosophie) und Krakau (Theologie). Am 3. Juni 2000 wurde er zum Priester geweiht. Er ging zurück in den Konvent nach Posen. Zunächst war er Submagister des Noviziats, anschließend wurde er zum Prokurator des Klosters ernannt. Eine für P. Jan ergiebige Zeit, in der er in einem Konvent mit 20 Brüdern für die umfangreiche Jugendseelsorge und den wichtigen Ordensverlag „W Drodze“ (Unterwegs) zu sorgen hatte.

Im Jahr 2003 wurde er nach München entsandt, seit 2000 betreuen drei polnische Dominikaner die Gemeinde St. Gertrud. Am Anfang war das für die Patres nicht einfach beziehungsweise ungewohnt. Bisher waren dort deutsche Weltpriester , und nun kommen plötzlich drei Dominikaner aus Polen. Die wiederum waren diese „bunte Gesellschaft“ nicht gewöhnt. P. Jan sieht darin für beide Seiten eine Herausforderung, und er ist sich sicher, dass die Dominikaner es mitv diesen Herausforderungen aufnehmen können, schließlich war auch Dominikus immer unterwegs, und das Unterwegssein in den großen Städten der Welt gehört zum Spezifikum des Ordens.

Anfangs „zitterte“ P. Jan ein wenig, denn verantwortlicher Pfarrer war er noch nie. Und als Gemeinschaft ausschließlich polnischer Brüder haben sie miteinander natürlich immer polnisch gesprochen Aber man habe ihn in München mit warmen Worten entlassen: In Berlin komme er sicher gut zurecht, die Menschen dort seien „wohltuend direkt“. Eine Unterstützung für den Anfang ist Diakon Andrzej Dolega, Dominikaner aus dem Konvent in Krakau, sein. Er absolviert von September bis Ostern 2009 in St. Paulus sein Diakonatspraktikum.

Aber die Wege gehen nicht allein von Ost nach West. 2008 machten die Berliner Dominikaner ihren alljährlichen Konventsausflug nach Warschau, die Bahnfahrt Berlin-Warschau dauert sechs Stunden.Sie waren dort in beiden Konventen zu Gast.

Und der Berliner Prior P. Thomas hat für P. Marcin, der im Juli 2008 in Posen zum Priester geweiht worden ist, die Primizpredigt gehalten - selbstverständlich auf Polnisch. P. Marcin kam kurz danach nach Berlin, erteilte in St. Paulus den Primizsegen und machte einen Sprachkurs, um dann in München die Stelle von P. Jan einzunehmen. Die mitbrüderlichen Kontakte über Provinz- und Sprachgrenzen hinaus - auch auf der Leitungsebene der Provinzen - bekommen Konvent wie Gemeinde von St. Paulus gut.

 

Dominikaner bei der zentralen Fronleichnamprozession vor der St. Hedwigkathedrale am 22. Mai

 

 

22.06.07: P. Burkard Runne O.P. wird 80

Am 22. Juni wird P. Burkard 80 Jahre alt, davon hat er 42 Jahre seines Priesterlebens in Berlin in Kloster und Gemeinde St. Paulus verbracht, das ist sein Lebenswerk. P. Burkard ist Inbegriff eines katholischen Priesters alter Schule. Ins Dominikanerkloster St. Paulus – allerdings in Worms - ist er 1927 hineingeboren, dorthin gehörte er sozusagen von Haus aus, denn die Familie Runne und die Familie der Dominikaner sind seit zwei Generationen eng miteinander verbunden. Zwei von sechs Kindern treten in den Orden ein. Die Mutter war Mitglied des dritten Ordens, heute sagt man Laiendominikaner.

Es gibt ein Familienfoto der Runnes von 1942, eines der wenigen, auf dem die ganze Familie versammelt ist. Aufgereiht auf einem Sofa sitzend: Vater, Mutter und sechs Kinder. Vier Jungen, zwei Mädchen. Der älteste Sohn, Fritz, fällt kurze Zeit später zwanzigjährig bei Witebsk. Der Drittgeborene sitzt in Kniestrümpfen, die langen Beine übereinander geschlagen, auf der Lehne des Sofas, die Arme verschränkt. In dieser Haltung noch heute zu erkennen: der spätere P. Burkard. Die Zweitjüngste, vorn auf dem Bild, wird 1951 als Sr. Hildegunde 20-jährig von ihrem Orden, den Neustädter Missionsdominikanerinnen, nach Südafrika geschickt. Dort lebt sie bis heute.

Aber zunächst ist da die Familie. Der Vater Heinrich ist Lehrer, geboren 1887 in Amsterdam. Die Vaterfamilie stammt ursprünglich aus dem Weserbergland, eine Handwerkerfamilie. Die Mutter Dorothea, zwölf Jahre jünger als der Vater, ist Lehrertochter aus Hannover. Sie zieht zur Familie des Mannes nach Worms. Da ist sie 23 Jahre alt. Sie hat bald eine große Familie zu versorgen. Sechs Kinder kommen zur Welt. P. Burkards Mutter wird nur 59 Jahre alt. Sie stirbt 1958. In dem ihr bleibenden letzten Jahr ordnet sie alles so, dass es auch ohne sie weitergehen kann. Es ist ein bewusstes Sterben, ein langer, langsamer Abschied. In diesem letzten Jahr besucht P. Burkard seine Mutter so oft es der Orden erlaubt. Bis zum Schluss ist die Mutter bei Bewusstsein. „Durch die innere Nähe und das gemeinsame Gebet wurde es ein ruhiges, beinahe schönes Sterben. Es waren die besten Exerzitien, die ich erleben durfte.“

Die Jahre von 1933 bis 1945 sind für die Familie Runne nicht leicht. Als Mitglied der katholischen Zentrumspartei wird der Vater 1933 zunächst aus dem Schuldienst entlassen. Eine Kollege hatte gemeldet: „Runne verweigert den Hitlergruß.“ Später muss er wieder eingestellt werden, wird jedoch strafversetzt. Wird vorgeladen, weil die Kinder nicht in der Hitlerjugend sondern Messdiener und im Bund Neudeutschland sind. In der Gemeinde übernimmt er Ämter, die inne zu haben sich nicht jeder traut. Wegen seiner Standfestigkeit in diesen Jahren wird er 1945 von den Alliierten mit öffentlichen Aufgaben betraut. So ist er kurze Zeit Bürgermeister von Worms, wird im Sommer 1945 zum Rektor der größten Schule ernannt, ist zuständig für die Entnazifizierung in Rheinhessen und Mitbegründer der CDU in Worms. 1944 wird der spätere P. Burkard sechszehnjährig als Flakhelfer eingezogen. Noch im selben Jahr wird er Soldat bei der Infanterienachrichtentruppe. Er kommt vor das Kriegsgericht („unerlaubte Entfernung von der Truppe“) und gerät bei Kriegsende kurz in amerikanische Gefangenschaft. Im Oktober 1945 ist er wieder zu Hause. 1947 tritt er, wie P. Marianus Henneken O.P. im Herbst ins Noviziat der Dominikaner in Warburg ein. 1951 legen sie die ewige Profess ab, beide werden 1953 zum Priester geweiht.

Dass er im Oktober 1959 nach Berlin entsandt wird, kommt für den jungen Theologen unerwartet, ist er doch eigentlich vom Orden für anderes bestimmt. In Bonn sitzt er an einer Dissertation. Da kommt die Aufforderung vom Provinzial aus Köln: In der Pfarrei St. Paulus fehlt der dritte Kaplan. „Und die seelsorglichen Aufgaben hier in Berlin lagen mir, wie ich bald merken sollte, viel mehr als das Promovieren.“ Überrascht hat ihn die Selbstverständlichkeit, mit der er in St. Paulus aufgenommen wurde. „Das lag natürlich auch an der Verbundenheit der Menschen mit dem Kloster. Man wuchs von Kindesbeinen an dort hinein. Das kannte ich von zu Hause. Man gehört zu einer großen Familie, und ich war gleich ein Teil davon. Während des Studiums waren mir die Berliner Mitbrüder manchmal mit ihrer großen Klappe auf die Nerven gegangen, aber hier in Moabit war das Berlinische wohltuend durch seine Offenheit, was natürlich auch mit der speziellen Moabiter Mischung zu tun hatte.“

Im Juni 1963 wird P. Burkard Pfarrer von St. Paulus. Es sind bewegte Jahre voller Veränderungen sowohl innerkirchlich als auch gesellschaftspolitisch. Tiefgreifende Entscheidungen müssen getroffen werden, es ist ungewiss wohin sie führen werden. Die Verantwortung ist groß. P. Burkard setzt sich für die Errichtung der Paulusschule ein, die 1964 eröffnet wird. Überhaupt die Bauarbeiten: das Gemeindehaus mit Albertussaal wird in diesen Jahren ausgebaut und modernisiert, der Gästeflügel des Klosters entsteht, die Kirche bekommt eine neue Orgel und wird nach den Erfordernissen des Zweiten Vaticanums umgestaltet.

1987 passiert das Unvorhergesehene: Der Provinzial des Ordens beruft P. Burkard als Prior ins Kloster Warburg. „Ich habe mich zunächst mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, aber der Ordensgehorsam ließ mir keine Wahl.“

1993 kommt P. Burkard zurück nach Berlin. „Es konnte mir als Priester nichts besseres passieren. Ich bin sehr dankbar dafür. Hier habe ich erfahren dürfen, dass man von den Menschen angenommen und gebraucht wird. Da musste ich kein großer Theologe sein. Ich habe mich bemüht, für die Menschen da zu sein. Ich bin schon immer viel in Krankenhäuser und Pflegeheime gegangen, wollte für den schwachen Menschen da sein. Das sind natürlich Dinge, die man schon von den Eltern her kennt, da bin ich sicher von der Familie geprägt, das hat nicht nur mit Priestersein zu tun. Und heute ist ja auch das Bild des Priesters oft ein anderes. Ich habe versucht, so gut es geht im Glauben zu leben. Mit allen Abstrichen, die es dabei gibt. Ich habe mich bemüht, mein Privatleben zurückzustellen. Ich will Seelsorger sein, der für den Einzelnen da ist, darum gehe ich sonntags auch immer auf den Kirchplatz. Das tägliche Chorgebet — mein Atemholen in der Betriebsamkeit des Alltags."

 

10.01.07: P. Marianus Henneken O.P. wird 80

P. Marianus haben wir die wunderschönen Rosenstöcke zu verdanken, die sich ab Mai, Juni um die Laternen vor St. Paulus ranken. Ganz zu schweigen vom Klostergarten des Konvents, den wir leider nicht besuchen können. Nun wird P. Marianus achtzig, und wenn man ihn sieht, glaubt man es nicht.

P. Marianus Henneken O.P.P. Marianus Henneken O.P. wird am 10. Januar 1927 in Warburg in eine sehr katholische Familie in einer sehr katholischen Gegend in Westfalen geboren. Dort wächst er nahe dem dortigen Dominikanerkloster auf. Seit dem Mittelalter gibt es Dominikaner in Warburg. Schon früh ist er dort Meßdiener, aber er ist auch ein leidenschaftlicher Segelflieger. Mit 16 Jahren wird er Luftwaffenhelfer und kommt später als junger Soldat bis nach Berlin. Eigentlich sollte er zur Luftwaffe und wäre vielleicht Jagdflieger geworden. Aber dann ist gottlob der Krieg zu Ende, und der Achtzehnjährige kommt wohlbehalten nach Hause zurück. Dort macht er auf dem Marianum, einer staatlichen Schule, die im Gebäude des ehemaligen mittelalterlichen Dominikanerkloster untergebracht ist, das Abitur. Die Gegend ist dermaßen katholisch, daß selbst an einem staatlichen Gymnasium täglich hl. Messe gefeiert wird.

Da die Dominikaner immer schon sein zweites Zuhause sind, ist es nicht erstaunlich, daß er am 5. Oktober 1947 in Walberberg in den Orden eintritt. Es gibt damals noch kein Postulat, d.h. die Postulanten, 1947 alles ehemalige Kriegsteilnehmer, werden bereits nach einwöchigen Exerzitien eingekleidet. 1948 legt P. Marianus die Erste Profess ab. Es folgt das Studium der Philosophie und Theologie an der Ordenshochschule Walberberg. 1951 dann Ewige Profess und 1953 Priesterweihe. Der Orden schickt ihn ins Oldenburger Münsterland. In Wildeshausen unterhält er bis in die 60er Jahre eine Aufbauschule, in der Jungen mit Volkschulabschluß für den Übergang auf das Jungeninternat im nah gelegenen Vechta vorbereitet werden. Das Thomas Kolleg in Vechta wurde als Jungengymnasium für den Ordensnachwuchs gegründet. Für P. Marianus war Wildeshausen eine gute Zeit, an die er sich gern erinnert.

Anfang der 60er Jahre geht er nach Hamburg. Dort ist er Kaplan in St. Pauli - Große Freiheit, Reeperbahn sind sein Pfarrgebiet. Als Kaplan kommt er dann 1977 nach Berlin. Hier kümmert sich der sportliche Pater auch auf diözesaner Ebene um die Pfadfinder und Meßdiener. 1980 übernimmt P. Marianus die Pfarrei St. Ansgar im Hansaviertel. Über 20 Jahre wird er dort seinen Dienst tun.

Die Woche über ist er viel unterwegs, als Priester betreut er Ordensschwestern in Schöneberg, in Lankwitz und in Grunewald. Seine Wege gehen aber in den letzten Jahren weit über Berlin hinaus. P. Marianus hat in kurzer Zeit mehrere Reisen nach Krakau gemacht. Er ist Begleiter und Exertitienleiter des Verehrerkreises von Sr. Faustina (1905-1938), einer polnischen Mystikerin, die Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 heiliggesprochen hat.