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STUDIUM

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es wurde behauptet, dass Dominikus einen Orden von Intellektuellen gegründet habe; sieht man einmal von der etwas überzogenen Formulierung ab, so ist die Behauptung sicherlich nicht falsch. Zwar stammt der Begriff "Intellektueller" aus dem 19. Jahrhundert, aber die damit umrissene Wirklichkeit gab es bereits im Mittelalter. Der Entschluss, einen Orden von Predigern auf Dauer zu schaffen, verlangte, dem Studium eine Vorrangsstellung zu geben, weil das ganze Leben dieser Prediger um die Verkündigung des Wortes Gottes kreisen sollte. Es konnte nicht nur darum gehen, die Heilige Schrift sorgfältig zu erforschen, sondern auch die Kenntnis dessen zu erwerben, was die Überlieferung verarbeitet und entdeckt hatte.

Was den Ordensgründer betrifft, so hat er zweifellos nicht gedacht oder intendiert, dass seine Brüder die offiziellen Theologen der Kirche sein sollen. Aber er trug ihnen ohne Ausnahme auf, in die Wahrheit der Heilslehre nach dem Maß ihrer Fähigkeiten und den Hilfsmitteln ihrer Zeit einzudringen.

Das Studium wurde daher zum Grundbestandteil der Ordensobservanz sowohl in der Ausbildung wie auch im Anschluss daran. Die von den Provinzkapiteln ausgesandten Visitatoren hatten immer zu prüfen, ob in den Konventen alles gut verläuft, und mussten auf drei grundlegende Fragen eingehen: Halten die Brüder beständig Frieden, sind sie ausdauernd im Studium, sind sie eifrig in der Predigt. Mit anderen Worten: ein Dominikaner ist kein guter Ordensmann, wenn er nicht ein Mann des Studiums ist.

Aus diesem Grund schreiben seit der Gründung des Ordens die Texte der dominikanischen Gesetzgebung vor, dass ohne einen "Lehrer der Theologie - lector conventus" keine Niederlassung gegründet werden dürfe, damit die geistige Regsamkeit in Sinne einer Liebe zur Geisteskultur bei allen Brüder gewährleistet sei.

Wenn das Ideal des "semper studere" - einer ständigen Weiterbildung verwirklicht ist, kann man von einem intellektuellen Apostolat sprechen; denn das Studium im Dominikanerorden verfolgt ein apostolisches Ziel und dient damit der gesamten Kirche.

Dominikus, den die Liturgie "Lehrer der Wahrheit - doctor veritatis" nennt, hat das Studium nie losgelöst für sich betrachtet. Es steht immer im Dienst an der Wahrheit und ist auf sie ausgerichtet.